Die Ausrüstung fürs Hochseefischen (ohne Wissenschaft – aber mit Verstand)
Während Küstenangeln je nach Land, Revier und Regelwerk eine kleine Diplomarbeit sein kann, ist Hochsee-Schleppangeln erfreulich simpel: In vielen Fällen reichen ein solider Köder und eine robuste Leine.
Faustregel: lieber etwas kräftiger als zu fein.
Eine zu dünne Schnur reißt schnell – und dann schwimmt der Fisch im Zweifel mit Haken davon. Das ist weder elegant noch fair.
Rute? Muss nicht zwingend.
Sie brauchen nicht automatisch die High-End-Angel aus dem Fachgeschäft. Auf vielen Blauwasseryachten funktioniert das ganz pragmatisch:
Leine auf einer Spule führen
beim Angeln sauber belegen (z. B. auf einer Klampe)
fertig ist die Bordversion von „robust & zuverlässig“.
Der Köder: bewährter Klassiker statt Zauberei
Auf dem Ozean sieht man oft denselben Typ:
Kopf mit „Augen“
dahinter bunte Fasern/Skirts
darunter sitzt der Haken
Achten Sie auf korrosionsbeständige Haken (z. B. rostträge Materialien). Verrostete Haken sind nicht nur unschön – sie erhöhen auch das Risiko von Entzündungen (bei Fisch und Mensch).
Technik: Schleppen – aber richtig
Das Prinzip ist simpel: Köder raus, Boot fährt, Köder läuft an der Oberfläche hinterher.
Je größer der Köder, desto eher kommt (tendenziell) auch ein größerer Kandidat vorbei – wobei der Ozean bekanntlich manchmal Humor hat.
Wichtig ist die Position außerhalb des stärksten Kielwasser-Gewühls, damit der Köder nicht „unsichtbar“ wird. Bewährt hat sich als grobe Orientierung:
4 kn → ca. 40 m
5 kn → ca. 50 m
6 kn → ca. 60 m
(…und so weiter. Keine Mathematikprüfung, nur Daumenregel.)
Ruckdämpfer: unterschätzter Held
Damit bei Fahrt und Welle nicht alles ruckartig abreißt, hilft ein Ruckdämpfer (Gummi/Elastik). Der nimmt Lastspitzen raus und rettet öfter den Fang als jedes Angelsprichwort.
Wenn’s beißt: ruhig bleiben, Handschuhe an
Wenn ein Fisch dran ist, wird häufig weitergesegelt, damit die Leine nicht schlagartig schlaff wird. Danach:
mit Handschuhen Hand über Hand einholen
den Fisch am Boot ggf. noch kurz arbeiten lassen, bis er ruhiger wird
Zum Anlanden helfen:
ein großer Kescher oder
ein Gaff (spitzer Haken am Stiel) – hier ist Vorsicht angesagt, denn Fischgröße und Gewicht werden auf See gern unterschätzt.
Den Fisch waidgerecht töten (ohne Küchen-Show)
Zum Schluss ein wichtiger Punkt: Wenn Sie Fisch entnehmen, dann bitte schnell und möglichst stressarm. Welche Methode „richtig“ ist, hängt von Fischart, Ausrüstung und ggf. lokalen Regeln ab – verbreitet sind z. B. schnelles Betäuben und sauberes Ausbluten (wo sinnvoll/üblich).
Wichtig ist: Keine Experimente, sondern eine klare, humane Routine – das ist besser für Tier, Crew und Qualität.

